Das letzte Puzzle-Stück - klärende Fragen stellen im Business

Die Frage, die du nicht stellst, wird teuer: Warum Nachfragen dein wichtigstes Business-Tool ist

Du hast alles geprüft. Den Preis, die Inhalte, die Referenzen – und sitzt drei Monate später trotzdem da und fragst dich, warum sich das falsch anfühlt.

Dieser Artikel handelt von der Frage, die du nicht gestellt hast. Wo sie im Coaching-Business typischerweise fehlt, warum wir sie vermeiden, obwohl sie uns Geld spart – und welche eine Frage fast immer weiterhilft.


Kurze Antwort vorab: Die meisten teuren Fehlentscheidungen im Business entstehen nicht durch schlechte Angebote, falsche Kooperationspartner oder ungeeignete Klientinnen – sondern durch Fragen, die man vorher nicht gestellt hat. Klärende Fragen stellen im Business ist kein Zeichen von Misstrauen. Es ist das Gegenteil von naiv.

Christiane Mohr
Wer schreibt hier?Christiane Mohr

Diplom-Kauffrau mit Schwerpunkt Marketing – und bekennender Nerd. Ich liebe Daten, misstraue Buzzwords und überprüfe Aussagen lieber zweimal, bevor ich sie weitergebe. Hier schreibt jemand, der Coaches & Heilpraktikerinnen dabei begleitet, ihr Business so aufzustellen, dass die richtigen Klientinnen sie finden – ohne Schönreden.


Die Ausbildung, die ich nach einem halben Jahr abgebrochen habe

Ich wollte Homöopathin werden. Und ich bin das nicht auf gut Glück angegangen.

Ich habe zwei Wochen Urlaub damit verbracht, mich durch „What Color Is Your Parachute“ zu arbeiten – das Buch, das einem helfen soll, den richtigen Beruf zu finden. Kapitel für Kapitel, mit Stift. Am Ende stand Homöopathie. Danach habe ich mit zwei Heilpraktikerinnen gesprochen, mir die Schule angesehen – die Homöopathie-Akademie in Gauting, fünf Tage die Woche von acht bis eins –, durchgerechnet, wie ich das finanziere, und beschlossen, nach dem Unterricht weiter in meinen alten Job zu gehen, um es zu bezahlen. Ich habe sogar die eine Frage geklärt, von der ich dachte, sie könnte zum Problem werden: Ich kann nicht zusehen, wenn mir Blut abgenommen wird. In der Homöopathie nimmt niemand Blut ab. Passt.

Überzeugt hat mich am Ende ein Satz von George Vithoulkas: Homöopathie sei wie Mathematik. Sauber analysieren, sauber repertorisieren – aus einer Fülle von Beobachtungen das eine Mittel herausarbeiten, das trägt. Das klang genau nach mir. Strukturieren, ordnen, aus vielem das Richtige herausfiltern: Das ist bis heute das, was ich am besten kann.

Im September ging es los. Am ersten Montag nach den Weihnachtsferien saß ich im Klassenzimmer und wusste nach einer Stunde, dass es das nicht wird. Nicht der Stoff – der war so klar und ordentlich, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es war eine Schwere, für die ich damals kein Wort hatte. Noch am selben Tag bin ich zur Rektorin gegangen und habe gefragt, ob ich nur das erste Halbjahr bezahlen muss.

Und hier kippt das Ganze. Zwei Wochen Selbstanalyse, zwei Gespräche, eine geprüfte Kalkulation – und die eine Frage, an der es dann tatsächlich hing, steht in keinem Kapitel dieses Buches: Wie geht es mir eigentlich, wenn ich jeden Tag mit Krankheit zu tun habe?

Das hat nichts mit den Menschen zu tun. Es hat mit der Energie des Krankseins zu tun, die vor jeder Heilung nun einmal da ist – und mit der ich schlecht umgehen kann. Während der Ausbildung hatte ich reihum jede Krankheit, über die wir sprachen. Jedenfalls fühlte es sich so an.

Diese Frage habe ich danach noch zweimal nicht gestellt. Einmal bei einem ganzen Business rund um Krebsprävention – Produkt, Beratung, Website, 34 Artikel, ein Buch, das in Buchhandlungen stand. Und noch einmal, als ich mit Theta Healing arbeitete und die Schwere meiner Klientinnen nicht mehr losgeworden bin. Dreimal derselbe Preis für dieselbe ausgelassene Frage. Erst beim dritten Mal habe ich das Muster gesehen.

Heute arbeite ich mit Heilpraktikerinnen und Coachinnen. An ihrer Positionierung, nicht an ihren Patientinnen. Dieselben Menschen, andere Frage – und der Platz, an dem es für mich stimmt. Ich habe nur drei Anläufe gebraucht für eine Frage, die mich beim ersten Mal direkt dorthin geführt hätte.


Warum wir Fragen vermeiden – auch wenn sie uns Geld sparen würden

Das Muster ist bekannt. Trotzdem wiederholt es sich.

Höflichkeit als Falle. Man will nicht schwierig wirken. Nicht kleinlich. Nicht misstrauisch. Also nickt man, wenn der Kurs empfohlen wird, die Kooperation sich gut anhört, der Klient überzeugend klingt. Fragen zu stellen fühlt sich an, als würde man dem anderen nicht vertrauen – dabei schützt man nur sich selbst.

Die Angst, dumm zu wirken. „Das sollte ich eigentlich wissen.“ Oder: „Wenn ich jetzt frage, merkt jemand, dass ich das nicht kenne.“ Diese Angst kostet mehr als jede peinliche Frage je kosten könnte.

Die Angst vor der Antwort. Das ist die ehrlichste Version. Manchmal stellen wir die Frage nicht, weil wir ahnen, dass die Antwort unsere Entscheidung kompliziert macht. Also überblättern wir das Kapitel, bei dem uns unwohl wird. Und melden uns trotzdem an.


Drei Stellen im Coaching-Business, an denen die nicht gestellte Frage teuer wird

Vor dem Kauf eines Kurses oder Programms.

Nicht „Was ist alles enthalten?“ – sondern „Was ist explizit NICHT enthalten?“

Das ist die Frage, die die meisten nicht stellen. Weil der Salespage-Text verlockend ist, die Testimonials überzeugend sind, und man nicht wie jemand klingen will, der nach dem Kleingedruckten sucht.

Aber genau hier entstehen die ROI-Enttäuschungen. Man kauft ein Programm, das Positionierung verspricht – und stellt hinterher fest, dass der eigene Markt nicht vorkommt, kein Feedback enthalten ist, oder die versprochene Community aus fünf inaktiven Mitgliedern besteht.

Eine Frage vorher hätte das geklärt. Klärende Fragen stellen im Business ist auch beim Investieren ein Muss – nicht erst beim Verkaufen.

Bevor du in ein Programm investierst, lohnt eine Frage zuerst: Weißt du genau genug, für wen du eigentlich arbeitest? Der Nischen-Kompass stellt dir die zehn Fragen, an denen sich das klärt. Kostenlos.

Vor einer Kooperation oder einem Gastauftritt.

„Was erwartest du konkret von mir – und was bekomme ich dafür?“

Diese Frage fühlt sich transaktional an. Sie ist es auch. Das ist kein Problem – das ist Klarheit.

Gastbeiträge, Podcast-Auftritte, Co-Webinare: Alles klingt nach gegenseitigem Gewinn, bis man feststellt, dass die Erwartungen sehr unterschiedlich waren. Die eine Seite dachte an 45 Minuten Vortrag, die andere an ein Zwanzigminuten-Interview. Die eine Seite erwartet Newsletter-Werbung im Gegenzug, die andere nur eine Social-Media-Erwähnung.

Wer vorher fragt, spart sich die Enttäuschung hinterher – und schützt gleichzeitig die Beziehung, die nach einem unklaren Auftritt meistens nicht mehr dieselbe ist.

Im Erstgespräch mit potenziellen Klientinnen.

„Was hast du schon versucht – und warum hat es nicht funktioniert?“

Das ist die Frage, die am meisten über eine Klientin aussagt. Nicht wer sie ist oder was sie will – sondern was sie schon gemacht hat, bevor sie zu dir kommt.

Wer diese Frage nicht stellt, übernimmt manchmal ein Problem, das unlösbar ist – oder löst es mit denselben Methoden, die bereits gescheitert sind, weil man gar nicht wusste, was schon versucht wurde. Wer sie stellt, versteht den Ausgangspunkt. Und erkennt gleichzeitig Warnsignale: die Klientin, die jede bisherige Methode für unzureichend hält, die nie in ihrem Leben etwas wirklich durchgehalten hat, oder die eigentlich gar nicht verändern will – nur reden.

Mehr dazu, was man im Erstgespräch wirklich klären sollte, findet sich im Artikel über den Discovery Call.


Die eine Frage, die sich fast immer lohnt

Manchmal muss man die Frage nicht mal dem anderen stellen.

Manchmal reicht es, sie sich selbst zu stellen.

„Was genau nehme ich hier an – und woher weiß ich, dass diese Annahme stimmt?“

Das ist die Frage, die dein Bauchgefühl in einen Satz übersetzt. Die das ungute Ziehen ernst nimmt, statt es wegzuatmen. Die den Moment einfriert, bevor die Entscheidung fällt – und bevor du das dritte Mal denselben Preis für dieselbe ausgelassene Frage zahlst.

Es geht nicht darum, alles zu hinterfragen. Es geht darum, die eine Frage zu stellen, die man bewusst vermieden hat, weil sie unbequem war.

Meistens weiß man, welche das ist.

Die Schule war übrigens gut. Sie war nur nicht meine. Das eine hat mit dem anderen weniger zu tun, als man denkt.


Manchmal sieht man den eigenen blinden Fleck erst, wenn jemand mitschaut.

Wenn du bei deiner Positionierung feststeckst, schauen wir sie uns gemeinsam an: deine Situation, deine Zielgruppe, dein Angebot. Ein Strategiegespräch, keine Schablone.

→ Schreib mir, woran es gerade hängt


Key Takeaways

Die Frage, die du nicht stellst, wird teuer. Immer. Manchmal sofort, manchmal erst Wochen später auf der Rechnung.

Höflichkeit und Klarheit schließen sich nicht aus. Eine Frage vor dem Kauf, der Kooperation, dem Start schützt die Beziehung – nicht umgekehrt.

Manchmal muss man nur sich selbst fragen. Was nehme ich hier an – und woher weiß ich, dass diese Annahme stimmt?


Immer weiter.

Unterschrift Christiane Mohr

PS: Du hast Klarheit über deine Arbeit – aber noch nicht über die richtige Zielgruppe? Der Nischen-Kompass stellt dir die zehn Fragen, die du dir jetzt stellen solltest. Kostenlos.


FAQ

Warum ist Nachfragen im Business so wichtig?

Weil die meisten Fehlentscheidungen nicht durch schlechte Angebote oder falsche Partner entstehen, sondern durch nicht gestellte Fragen. Das gilt beim Kauf von Kursen und Programmen, bei Kooperationen, im Erstgespräch mit Klientinnen – und auch bei der eigenen Strategie. Eine Frage vorher ist fast immer günstiger als eine Korrektur hinterher.

Welche Fragen sollte ich vor dem Kauf eines Coaching-Programms stellen?

Die wichtigste ist nicht „Was ist enthalten?“ – sondern „Was ist explizit NICHT enthalten?“ Dazu: Gibt es persönliches Feedback? Wie groß ist die Community und wie aktiv? Für welchen Markt und welche Zielgruppe ist das Programm konzipiert? Klingt für dich vielleicht erst mal nach Misstrauen – ist aber einfach die Frage, die Enttäuschungen verhindert.

Wie stelle ich im Erstgespräch die richtigen Fragen, ohne einschüchternd zu wirken?

Indem du sie als echte Neugier formulierst, nicht als Verhör. „Was hast du schon versucht – und was hat daran nicht funktioniert?“ ist keine Anklage, das ist Interesse. Klientinnen, die offen und konkret antworten, sind meistens auch in der Zusammenarbeit offen und konkret. Wer sich bei dieser Frage ziert, gibt damit schon eine Antwort.

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