Text money mindset auf einem Block - Geld Mindset für Coaches und Heilpraktikerinnen

Geld-Mindset für Coaches: Warum die Geld-Fee nicht kommt

Der Kunde, der alles verändert. Die Empfehlung, die sich herumspricht. Das eine Interview, nach dem der Kalender voll ist. In der Zwischenzeit wartest du – und der Preis bleibt, wo er ist.

Dieser Artikel handelt von der Geld-Fee: woher die Überzeugungen kommen, die dich zu wenig verlangen lassen, warum Perfektionismus oft nur höflicher Aufschub ist, und was ein erster ehrlicher Schritt wäre.


Kurze Antwort vorab: Es gibt keine Geld-Fee. Niemand kommt vorbei und löst dein Preis-Problem, dein Umsatz-Plateau oder deine Geldangst für dich. Die gute Nachricht: Die meisten Geld-Blockaden bei Coaches haben nichts mit dem Kontostand zu tun, sondern mit Überzeugungen, die oft schon in der Kindheit entstanden sind – und genau deshalb lassen sie sich erkennen und verändern.

Christiane Mohr
Wer schreibt hier?Christiane Mohr

Diplom-Kauffrau mit Schwerpunkt Marketing – und bekennender Nerd. Ich liebe Daten, misstraue Buzzwords und überprüfe Aussagen lieber zweimal, bevor ich sie weitergebe. Hier schreibt jemand, der Coaches & Heilpraktikerinnen dabei begleitet, ihr Business so aufzustellen, dass die richtigen Klientinnen sie finden – ohne Schönreden.


Die Geld-Fee – und warum wir alle ein bisschen auf sie warten

Der eine Kunde, der alles verändert – die Empfehlung, die sich plötzlich herumspricht – das Interview, nach dem der Kalender von allein voll ist – oder, ganz unromantisch, ein Erbe.

In der Zwischenzeit wartest du.

Ich habe 2021 einen Summit veranstaltet und dafür jede Sitzung selbst als Interview geführt. Eine davon war mit Ilana Jankowitz, Money-Mindset-Coach und Gründerin von „Money with Monay“. Sie hat für dieses Warten einen Namen, den ich seitdem nicht mehr loswerde: die Bill Fairy. Die Geld-Fee, die irgendwann vorbeifliegt und die Kontoauszüge in Ordnung bringt, ohne dass man selbst irgendetwas hätte ändern müssen.

Ich hatte damals in unserem Vorgespräch gelacht. Und danach eine Weile gebraucht, um zuzugeben, dass ich sie kenne.

Nicht dramatisch, aber erkennbar: das Warten auf den richtigen Moment, um Preise zu erhöhen. Das Zögern vor dem Gespräch, in der leisen Hoffnung, die Klientin fängt selbst davon an. Das Vertagen eines Angebots, bis der Markt „stabiler“ ist.

Ich prüfe meine eigenen Themen genauso kritisch wie die von anderen – das ist nach fast dreißig Jahren Berufserfahrung Reflex. Vor der Geld-Fee hat mich das nicht bewahrt. Das ist der unangenehme Teil dieses Artikels, und ich stelle ihn absichtlich an den Anfang.

Die Geld-Fee kommt nicht. Das ist die schlechte Nachricht.

Die gute: Das Geld-Mindset, das auf sie wartet, lässt sich erkennen. Und was man erkennt, kann man verändern.


Die Frage, die Ilana jeder Klientin zuerst stellt

Sie fragt nicht nach Zahlen. Sie fragt nach der Emotion hinter dem Verhalten.

Warum kaufst du, wenn du eigentlich sparen wolltest? Warum setzt du deinen Preis wieder zu niedrig an, obwohl du genau weißt, dass er nicht stimmt? Ihr Beispiel im Interview war die Wanne Eiscreme, die man isst, während man abnehmen will – hinter jedem dieser Muster steckt ein Gefühl, und hinter dem Gefühl fast immer eine Erinnerung.

Das klingt nach Küchentisch-Psychologie, und ich war entsprechend skeptisch. Was mich überzeugt hat, war die Konsequenz: Sie behandelt Geld nicht als Rechenproblem, das mit besseren Tabellen verschwindet. Sondern als Verhalten, das irgendwo herkommt.

Und das lässt sich zurückverfolgen.


Woher Geld-Blockaden wirklich kommen

Das Überraschende daran ist, wie früh sie entstehen.

„Geld macht böse.“ – „Wir sind keine Leute, die reich werden.“ – „Für so etwas kann man nichts verlangen.“ Solche Sätze werden selten ausgesprochen. Sie stehen zwischen den Zeilen, in der Stimmung am Monatsende, im Schweigen an der Supermarktkasse. Kinder hören mit.

Die Forschung stützt das, wenn auch nüchterner. David Whitebread und Sue Bingham von der University of Cambridge haben für den britischen Money Advice Service zusammengetragen, was Kinder bis zum siebten Lebensjahr über Geld lernen. Ihr Befund: Bis dahin sind mehrere Grundlagen ausgebildet, auf denen späteres Geldverhalten aufsetzt. Zählen. Den Wert einer Sache gedanklich abbilden. Und vor allem planen und eine Belohnung aufschieben können – die beiden Fähigkeiten, die die Autoren als Wurzel von allem bezeichnen, was später Sparen heißt.

Wichtig ist, was dort nicht steht: dass mit sieben alles entschieden wäre. Die Studie sagt fast das Gegenteil. In ihrem Fazit halten die Autoren es für wenig wirksam, kleinen Kindern Finanzwissen als Lernstoff beizubringen – dafür haben sie schlicht noch keine eigenen Mittel, über die sie entscheiden könnten. Es geht um das Fundament, nicht um das fertige Haus.

Für dich heißt das: Deine Geld-Blockade ist keine Charakterschwäche. Sie ist eine übernommene Gewohnheit. Und das ist ein wesentlicher Unterschied – bei einer Gewohnheit lohnt es sich nachzusehen, wem sie ursprünglich gehört hat.


Welcher Geld-Typ bist du?

Ilana arbeitet mit acht Geld-Archetypen. Das ist ihr System, nicht meins, und ich gebe es hier nur weiter: die Unschuldige, das Opfer, die Märtyrerin, die Heldin, die Einzelgängerin, die Herrscherin, die Künstlerin und die Magierin.

Wer diese Liste durchgeht, erkennt sich selten in nur einem Typ wieder. Das ist der unangenehme Teil. Der interessante kommt danach.

Denn die Geld-Fee hat in diesem System eine Adresse. Sie ist die Unschuldige – der Typ, der auf eine Zukunft wartet, in der sich die Dinge irgendwie von selbst sortieren. Nicht faul, nicht naiv. Nur zuständigkeitsfrei.

Du weißt jetzt mehr über dein Warten als die meisten, die einen Finanzratgeber zu Ende gelesen haben.

Wenn du wissen willst, welcher Typ bei dir vorne steht: Der Test dazu liegt bei ihr, nicht bei mir, und er ist auf Englisch. Ich finde den Nutzen ohnehin weniger im Etikett als in der Frage, die daran hängt – wovon gehst du eigentlich aus, wenn du nichts tust?


Perfektionismus ist oft nur Aufschieberitis im Kostüm

Das ist der Teil, der mir am nächsten geht. Weil er so vernünftig klingt.

„Ich starte, sobald die Website fertig ist.“ – „Ich schreibe die Preisliste, wenn ich das Angebot noch einmal überarbeitet habe.“ – „Ich erhöhe die Preise, wenn ich mehr Referenzen habe.“

Ilana nennt zwei Wurzeln. Die erste ist die klassische Aufschieberitis: Wer fürchtet, dass das Ergebnis nicht gut genug wird, macht lieber gar nichts – dann kann auch nichts schiefgehen. Die zweite ist stiller. Da geht es darum, einer Erwartung zu entsprechen: der eines Elternteils, einer früheren Chefin, einer Version von sich selbst, die es noch gar nicht gibt. Besonders zäh wird es bei Menschen, die als Kind ständig mit den Geschwistern verglichen wurden.

Beides führt zum selben Ergebnis. Man wartet. Man verfeinert, was längst reicht.

Ich habe selbst monatelang an einer Seite gefeilt, bevor ich angefangen habe, sie zu bewerben. Rückblickend war das irgendwann keine Arbeit mehr an der Seite. Es war Arbeit daran, sie noch nicht zeigen zu müssen.

Und ich sehe es bei Klientinnen. Birgit, systemische Coachin und schamanische Heilerin, hat es so beschrieben: „Meine Praxis lief zwar sehr gut, aber ich habe sehr viel für zu geringes Einkommen gearbeitet.“

Das ist der Satz, den ich in dieser Arbeit am häufigsten höre – und er kommt fast nie von Menschen, die zu wenig können. Er kommt von Menschen, die zu lange warten, bis sie einpreisen, was sie längst leisten.


Angst lebt im Kopf, nicht im Kontoauszug

Ilana sagt: Angst ist nicht real. Das klingt nach Kalenderspruch, ist aber konkret gemeint.

Wenn du in einem Film wegschaust, weil die Szene zu intensiv wird, reagiert dein Körper auf etwas, das nicht passiert. Das Unterbewusstsein unterscheidet nicht zwischen Leinwand und Leben. Es reagiert auf das Bild.

Genauso funktioniert die Angst vor dem Preisgespräch. Sie sitzt nicht im Kontostand. Sie sitzt in der Vorstellung davon, was passiert, wenn du die Zahl aussprichst: das Gesicht der anderen Person, die Pause danach, ob du dich rechtfertigen musst, ob das Verhältnis kippt.

Und hier kippt das Ganze. Denn ihre Beobachtung aus der Praxis ist nicht, dass ihre Klientinnen zu wenig über Preisgestaltung wissen. Es ist, dass sie zu wenig Vertrauen in den Wert dessen haben, was sie tun. Wer sich schwertut, angemessen abzurechnen, hat selten ein Rechenproblem. Ein gesundes Geld-Mindset als Coach beginnt deshalb nicht bei der Kalkulation, sondern bei einer ehrlichen Einschätzung dessen, was deine Arbeit bei einem Menschen tatsächlich bewegt.

Das ist der Punkt, den fast alle übersehen: Der Preis ist nicht die Frage. Der Preis ist die Antwort auf eine Frage, die du dir vorher stellen musst.

Und diese Frage fängt meistens eine Stufe früher an, nämlich bei der Frage, für wen du eigentlich arbeitest. Der Nischen-Kompass führt dich durch die zehn Fragen, an denen sich das klärt. Kostenlos.


Der Geld-Fee die Tür weisen – ein erster Schritt

Nicht zehn Schritte. Einer.

Schreib den Satz auf, den du dir innerlich sagst, wenn du an Geld denkst. Den echten. Nicht „ich möchte mehr verdienen“, sondern das, was darunter liegt: „Geld zu verlangen fühlt sich unangenehm an.“ „Ich will nicht gierig wirken.“ „Wenn der Preis zu hoch ist, kauft keiner.“

Dann eine einzige Frage dazu: Woher kommt dieser Satz? War er von Anfang an deiner?

Mehr nicht. Das ist kein Therapieprogramm, das ist eine Bestandsaufnahme. Aber sie ist der Unterschied zwischen einem Muster, das dich steuert, und einem, das du kennst.

Und sie ist Voraussetzung, nicht Krönung. Das Geld-Thema löst deine Positionierung nicht – aber solange die Geld-Fee im Hintergrund mitläuft, hilft dir die beste Positionierung wenig. Du bepreist sie dann trotzdem für die Kundin von vorgestern.

Die Geld-Fee kommt nicht. Aber du bist schon da.


Wenn du beim Lesen gerade gemerkt hast, dass du dich irgendwo wiedererkennst – dann ist das genau dein Startpunkt. Dafür habe ich eine kurze Checkliste entwickelt. 10 Fragen, die dich durch den Prozess führen und dir helfen, deinen Nischen-Sweet-Spot zu finden. Kein überwältigender Kurs. Einfach ein strukturierter Denkanstoß, der dich vom Kreisdrehen in die Klarheit bringt.

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Key Takeaways

Die Geld-Fee kommt nicht. Das Warten auf den Durchbruch-Kunden, den viralen Post oder den perfekten Moment ist eine Form von Aufschub, keine Strategie.

Geld-Blockaden entstehen früh. Sie sind übernommene Gewohnheiten, kein Charakterfehler – und deshalb lässt sich fragen, wem sie ursprünglich gehört haben.

Perfektionismus ist die höfliche Version des Aufschiebens. Wenn du eine Sache dauernd verbesserst, statt sie zu zeigen, lohnt die Frage, wovor das Verfeinern dich schützt.

Die Angst sitzt im Kopf, nicht im Kontoauszug. Nicht der Preis ist das Problem, sondern die Geschichte darüber, was nach dem Aussprechen passiert.


Immer weiter.

Unterschrift Christiane Mohr

PS: Du weißt, wie dein Business aussehen soll – aber noch nicht genau, für wen du arbeitest? Der Nischen-Kompass führt dich durch die zehn wichtigsten Fragen zu deiner Zielgruppe. Kostenlos.


FAQ

Was bedeutet Geld-Mindset für Coaches?

Das Geld-Mindset beschreibt die Überzeugungen und Muster, die dein Verhältnis zu Geld, Preisen und dem Wert deiner Arbeit prägen. Wer unbewusst glaubt, dass Helfen und Geldverdienen sich ausschließen, wird sich mit angemessenen Preisen schwertun – unabhängig davon, wie gut die Arbeit ist. Diese Muster lassen sich erkennen und verändern, weil sie meist nicht aus eigener Erfahrung stammen, sondern früh übernommen wurden.

Woher kommen Geldblockaden bei Coaches?

Meistens aus der Kindheit. Wir übernehmen die Überzeugungen unserer Eltern zu Geld, ohne sie je bewusst gewählt zu haben – oft nicht als Sätze, sondern als Stimmung. Untersuchungen zur frühkindlichen Entwicklung zeigen, dass die Grundlagen für späteres Geldverhalten bereits im Vorschulalter angelegt werden. Das heißt nicht, dass damit alles entschieden ist. Es heißt, dass die Wurzel älter ist als das Business.

Wie überwinde ich die Angst vor dem Preisgespräch?

Indem du sie von der Sache trennst. Frag dich, was du konkret befürchtest, und woran du merken würdest, dass es eingetreten ist. In den meisten Fällen ist das Schlimmstmögliche ein Nein – und damit deutlich kleiner als das Bild im Kopf. Hilfreich ist außerdem, den Preis vor dem Gespräch schriftlich festzulegen, statt ihn im Gespräch zu entscheiden.

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