Wirst du von KI empfohlen? Mein Selbsttest – und was er für deine Positionierung bedeutet
Ich habe vor ein paar Tagen einen kleinen Test gemacht. Google gefragt: „Empfiehl mir eine Heilpraktikerin in München für bioidentische Hormonbehandlung.“ Und dann dieselbe Frage bei ChatGPT gestellt – im kostenlosen Account, so wie ihn die meisten von uns haben.
Das Ergebnis war… aufschlussreich. Und nicht so, wie ich gedacht hätte.
Kurze Antwort auf die Frage, ob KI deine Praxis findet und empfiehlt: Das hängt vor allem davon ab, welches Tool gefragt wird. Bei Google – also der normalen Suche plus der KI-Übersicht oben drauf – zählt eine klare, konsistente Positionierung plus lokale Präsenz. Bei ChatGPT oder Perplexity geht es seltener um deinen Praxisnamen, sondern darum, ob dein Thema überhaupt auftaucht, wenn jemand allgemein nach einer Lösung für sein Problem fragt. Beides läuft am Ende auf dasselbe hinaus: Spezialisierung statt Breite.
Aber der Weg dahin war für mich erstmal ein kleiner Frust-Moment. Lass mich erzählen.
Der Selbsttest – und warum er erstmal verwirrt
Google zuerst: Die KI-Übersicht zeigte mir auf Anhieb fünf Heilpraktikerinnen namentlich. Mit Namen, mit kurzer Einordnung, fertig. Ich habe mir ein paar der Websites angeschaut – und ehrlich gesagt war bei nicht allen sofort erkennbar, dass „bioidentische Hormonbehandlung“ ihr Schwerpunkt ist. Trotzdem standen sie da. Das hat mich erstmal selbst überrascht, und ich lasse diesen Widerspruch hier bewusst stehen, statt ihn glattzubügeln.
Dann ChatGPT, kostenloser Account, gleiche Frage. Und: nichts. Keine einzige konkrete Empfehlung. Stattdessen Rückfragen – wonach genau ich suche, welche Symptome, welches Budget – und am Ende der Hinweis, dass ChatGPT keinen zuverlässigen Live-Zugriff auf aktuelle Praxisdaten habe.
Meine erste Reaktion, ehrlich gesagt: Na toll. Dann bringt das ja nichts, wenn man nicht zahlt.
Wenn du gerade ähnlich getestet hast und zu einem ähnlichen Schluss gekommen bist – du bist nicht allein. Und der eigentliche Grund hat mit Bezahlen ziemlich wenig zu tun.
Warum ChatGPT nichts gefunden hat – und das nichts mit Bezahlen zu tun hat
Hier kommt mein Nerd-Geständnis: Ich habe nachgeschaut, ob ChatGPT im Free-Account überhaupt mit dem Internet verbunden ist. Laut OpenAI Help Center ist die ChatGPT-Suche mit Live-Webzugriff auch im kostenlosen Account verfügbar. Also nicht das Problem.
Der eigentliche Grund liegt woanders: ChatGPT ist bei hyperlokalen Anfragen schlicht schwächer als Google – und bei Gesundheitsthemen bewusst zurückhaltend mit Namensnennungen. Eine Art eingebaute Sicherheitsbremse, kein Geld-Thema.
Und hier kippt das Ganze: Die eigentlich relevante Frage ist nicht „kennt ChatGPT meine Praxis in München“. Die relevante Frage ist: Taucht dein Thema auf, wenn jemand allgemein nach einer Lösung für sein Problem fragt – auch ohne deinen Namen?
Zur Einordnung noch eine Zahl: Rund 95 % aller ChatGPT-Nutzerinnen haben einen kostenlosen Account (Backlinko, ChatGPT Statistics 2026). Mein Selbsttest war also keine Ausnahme, sondern der Normalfall. Falls du also gerade ähnlich frustriert getestet hast: willkommen im Club, du bist in guter Gesellschaft.
Was KI wirklich entscheiden lässt – die Freundin-Erklärung
Stell dir vor, eine Freundin fragt dich: „Kennst du eine gute Heilpraktikerin?“ Was passiert in deinem Kopf, bevor du antwortest?
Du prüfst – meistens unbewusst – ein paar Dinge. Hat diese Person das selbst erlebt, also: Erfahrung. Versteht sie wirklich etwas davon, oder kennt sie nur ein bisschen von allem – also: Fachwissen. Wird sie auch von anderen erwähnt oder empfohlen – also: Anerkennung. Und wirkt sie dabei echt und transparent – also: Vertrauen.
Genau das macht Google – und mittlerweile auch ChatGPT und Co. – automatisiert. Nur eben anhand von Texten, Bewertungen und Verlinkungen statt eines Bauchgefühls.
Und es gibt dafür inzwischen handfeste Belege: Seiten mit klarer thematischer Tiefe – statt thematischer Breite – ranken seit dem Google Core-Update im März 2026 deutlich schneller (Wellows, Google AI Overviews Ranking Factors 2026). Tiefe schlägt Breite. Schon wieder.
Was das für deine Positionierung bedeutet
Das ist der Punkt, den fast alle übersehen: Wer „für alle da ist“, wird weder von Menschen noch von Maschinen als Spezialistin erkannt.
Positionierung war schon immer der Hebel – für deine Website, deine Bewertungen, deine Mundpropaganda. Jetzt zählt sie doppelt. Weil dieselbe Klarheit, die eine Patientin überzeugt, auch eine Maschine überzeugt. Beide stellen sich am Ende dieselbe Frage: Versteht diese Person wirklich, wovon ich rede – oder bietet sie nur „ganzheitliche Naturheilkunde für alle Beschwerden“ an?
Genau da beginnt es, dich Sichtbarkeit zu kosten – mehr, als dir bewusst ist. Nicht weil deine Arbeit nicht gut wäre. Sondern weil sie niemand – Mensch oder Maschine – klar zuordnen kann.
Was du konkret tun kannst
Drei Dinge, die du diese Woche umsetzen kannst, ganz ohne technisches Vorwissen:
1. Bau dir einen FAQ-Block auf deiner eigenen Seite.
Kurze, in sich abgeschlossene Antworten auf die Fragen, die deine Patientinnen wirklich stellen. Das mögen Menschen beim Überfliegen genauso wie KI-Systeme beim Auswerten.
2. Sorg für konsistente Formulierungen über Website, Social Media und Bio hinweg.
Wenn dein „Über mich“ etwas anderes erzählt als deine Angebotsseite, ist das für eine Maschine genauso verwirrend wie für eine Patientin.
3. Mach deinen eigenen Selbsttest – aber mit dem passenden Tool.
Perplexity oder Gemini (beide kostenlos) zeigen bei lokalen und themenbezogenen Fragen oft deutlich mehr als ChatGPT im Free-Account, weil sie stärker auf Live-Suche und Quellen setzen.
Wenn du beim Lesen gerade gemerkt hast, dass du dich irgendwo wiedererkennst – dann ist das genau dein Startpunkt. Dafür habe ich eine kurze Checkliste entwickelt. 10 Fragen, die dich durch den Prozess führen und dir helfen, deinen Nischen-Sweet-Spot zu finden. Kein überwältigender Kurs. Einfach ein strukturierter Denkanstoß, der dich vom Kreisdrehen in die Klarheit bringt.
Key Takeaways
Ob KI dich empfiehlt, hängt vom Tool ab – bei Google (Suche + KI-Übersicht) zählt deine Positionierung plus lokale Präsenz, das ist der Haupthebel.
KI bewertet im Kern wie eine gute Freundin: Erfahrung, Fachwissen, Anerkennung, Vertrauen – nur automatisiert.
Klarheit statt Breite zahlt sich jetzt doppelt aus: bei Menschen und bei Maschinen.
Immer weiter.

P.S.: Falls du dich gerade in meinem Erklär-Bär-Frust-Moment mit ChatGPT wiedererkannt hast – herzlich willkommen. Wir sind zu 95 % alle im selben Boot.
P.P.S.: Klarheit über deine Nische ist nicht nur die Basis für deine Website-Texte – sie entscheidet jetzt auch, ob KI dich versteht und empfiehlt. Der Nischen-Kompass hilft dir, genau diese Klarheit zu finden.
FAQ
Spielt es eine Rolle, ob die Person, die nach mir sucht, ChatGPT Plus hat?
Nicht direkt – aber indirekt schon. Mein Test mit dem Free-Account hat keine konkrete Empfehlung geliefert, weil ChatGPT bei lokalen Gesundheitsfragen im kostenlosen Account zurückhaltender mit Namensnennungen ist als z. B. Perplexity oder Gemini. Heißt: Ob du gefunden wirst, hängt nicht von deinem eigenen Account ab, sondern auch davon, welches Tool die suchende Person nutzt. Umso wichtiger, dass dein Thema grundsätzlich auftaucht, wenn jemand nach einer Lösung fragt – egal mit welchem Tool.
Was bewertet KI eigentlich, wenn sie jemanden empfiehlt?
Im Kern dasselbe wie eine gute Freundin, die du um eine Empfehlung bittest: Erfahrung, Fachwissen, Anerkennung durch andere und Vertrauenswürdigkeit – nur dass die KI das anhand von Texten, Bewertungen und Verlinkungen einschätzt statt aus dem Bauch heraus.
Wie kann ich selbst testen, ob ich KI-sichtbar bin?
Stell bei Google eine typische Frage, wie sie deine Patientinnen stellen würden – und schau, ob in der KI-Übersicht jemand mit deinem Thema auftaucht. Probier zusätzlich Perplexity oder Gemini (beide kostenlos) aus, die zeigen bei lokalen Anfragen oft mehr als ChatGPT im Free-Account.
