Coaching Nische finden: 3 Gründe (und ein Forbes-Datenpunkt), der dir keine Wahl lässt
Kurze Antwort auf die Frage, warum du als Coach eine Coaching Nische finden solltest: weil ohne klare Nische 42 % aller Startups scheitern – und der Mechanismus dahinter für Coaches genauso gilt. Die drei Gründe dahinter, und warum sie auf deinen Alltag als Coachin zutreffen, erkläre ich hier.
Ich bin Christiane, Diplom-Kauffrau mit Schwerpunkt Marketing und Wirtschaftsinformatik – und ich bin manchmal ein ziemlicher Nerd. Ich liebe Daten, Fakten und das Bohren in Problemen, bis ich zum Kern komme. Ich überprüfe meine eigenen Aussagen genauso kritisch wie die anderer – bevor ich sie weitergebe.
Also habe ich genau das getan: nachgeschaut, ob das Thema Nische wissenschaftlich trägt. Und ich sage dir: Es gibt gute Gründe, warum das keine Frage des „ob“ ist.
Grund #1: 42 % scheitern – was das mit deiner Coaching-Nische zu tun hat
Laut Forbes scheitern 42 % aller Startups daran, dass sie keine klare Nische haben und kein Problem lösen, das ihre Zielgruppe als Problem wahrnimmt.
(Nerd-Geständnis: Die Originalquelle nennt 43 %. Forbes hat gerundet. Du weißt jetzt mehr als Forbes.)
Jetzt sagst du vielleicht: Ich bin kein Startup. Stimmt. Aber das Prinzip ist dasselbe – und hier wird es interessant.
Wir leben in einer Zeit extremer Informationsüberflutung. Unser Gehirn filtert ständig, unbewusst, was relevant ist und was nicht. Du kennst das: Du bist auf einer Party, Stimmengewirr überall – und plötzlich hörst du am anderen Ende des Raums deinen Namen. Sofort bist du hellwach. Das ist kein Zufall. Das ist dein Unterbewusstsein, das nur das ins Bewusstsein bringt, was wirklich relevant ist.
Genau dieser Filter entscheidet, ob dich jemand überhaupt wahrnimmt. Und das gelingt nur, wenn es für diese eine Person relevant ist. Nicht allgemein. Für genau ihr Problem.
Und hier kippt das Ganze – leise, aber entscheidend:
Das wahrgenommene Problem ist oft nicht das eigentliche Problem.
Deine Interessentin sagt vielleicht: „Ich fühle mich, als würde ich den ganzen Tag durch Schlamm waten“ – und sie sucht nach „mehr Energie bekommen“ oder „was tun gegen Erschöpfung“. Du dagegen bist Expertin für natürliche Hormontherapie und hast das auf deiner gesamten Website. Du bist solution-aware: bring die Hormone ins Gleichgewicht. Deine Klientin ist problem-aware – wenn sie noch nie von natürlicher Hormontherapie gehört hat, wird sie dich schlicht nicht finden. Sie landet stattdessen beim Hausarzt, der nach drei Tests sagt: „Alles in Ordnung.“
Das ist der Punkt, den fast alle übersehen.
Ich habe in den letzten Jahren zu oft erlebt, dass Coaches ihr Business eingestellt haben. Nicht weil sie schlechte Arbeit gemacht hätten. Sondern weil sie nie die richtigen Menschen erreicht haben. Das ist der Teil, der mich nach all diesen Jahren noch immer beschäftigt – für die Coach und für die Menschen, denen sie hätte helfen können und jetzt nicht helfen wird. Auch wenn wir uns nicht kennen und vielleicht nie kennenlernen werden: Bitte finde deine Nische. Dieser Grund zu scheitern ist vermeidbar – und es gibt genug andere, auf die wir weniger Einfluss haben.
Grund #2: Das IT-Prinzip, das dein Gehirn entlastet
Noch eine Zahl, diesmal aus der Softwareentwicklung: Wer an zwei Projekten gleichzeitig arbeitet, verliert 20 % seiner Arbeitszeit durch den ständigen Wechsel. Bei drei Projekten sind es schon 40 %. Das ist kein Bauchgefühl – das ist gemessener Produktivitätsverlust. (Gerald Weinberg, Quality Software Management)
Für uns – Coaches, Unternehmerinnen, die mehrere Lebensbereiche gleichzeitig managen – klingt das erschreckend vertraut, oder?
Wenn du deine Nische nicht definiert hast, arbeitest du permanent an mehreren „Projekten“ gleichzeitig. Du überlegst bei jeder Klientin, ob sie eigentlich passt. Du schreibst Content für drei verschiedene Zielgruppen. Du entwickelst Angebote, die für alle funktionieren sollen – und dann für niemanden so richtig. Genau da beginnt es, dich Kraft zu kosten – mehr, als dir oft bewusst ist. Nicht nur in Zeit, sondern in Energie und Klarheit.
In der IT nennt man die Lösung „Compartmentalizing“ – verschiedene Bereiche aufbauen und sauber trennen. Deine Festplatte macht das, um Ordnung zu halten. Und wir können das auch.
So könnte das konkret aussehen:
Kalender in Zeitblöcke einteilen. Blöcke für Arbeit, für Haushalt, für Familie – und daran festhalten. Schau, wo in deinem Alltag echter Raum für Deep Work ist, und schütz ihn.
Einen eigenen Arbeitsplatz schaffen. Auch wenn es nur eine Ecke ist. Nur fürs Arbeiten. Kein geteilter Familientisch, von dem du erst den Frühstückskram räumen musst.
Alles auf minimale Reibung ausrichten. Sauberer Schreibtisch, kein Suchen, kein Umräumen. Wenn du anfängst zu arbeiten, arbeitest du.
Den nächsten Tag vorausplanen. Und die wichtigste Aufgabe zuerst erledigen – bevor das Tagesgeschäft übernimmt.
Ehrlich gesagt glauben die meisten von uns, ihr Problem sei Produktivität. Ist es nicht. Es ist unser Affen-Gehirn, das von Banane zu Banane springt. Sei darauf vorbereitet, auch an deiner Selbstdisziplin zu arbeiten – mit System, nicht mit Willenskraft.
Und wenn du wirklich glaubst, du kannst nicht mit nur einer Nische leben – hier ist dein Silberstreif: Fang mit der an, für die du am besten aufgestellt bist. Bring alles zum Laufen – Website, Content, Angebote, erste Klientinnen. Dann kannst du immer noch eine zweite Nische hinzufügen. Aber nacheinander, nicht gleichzeitig. Die Chancen stehen gut, dass du dann merkst: du hast genug Abwechslung durch die Klientinnen, die nicht ganz ins Bild passen – und genau das hält es interessant.
Grund #3: Gefunden werden, bevor dich jemand kennt
Weiterempfehlungen sind wunderbar. Aber sie füllen keinen Kalender zuverlässig, und du kannst nicht planen, wann die nächste kommt. Wenn du wachsen willst, müssen dich auch Menschen finden, die dich noch gar nicht kennen.
Dafür musst du spezifisch sein.
„Health Coach für Frauen“ ist keine Nische. „Begleitung für erschöpfte Unternehmerinnen Mitte Dreißig, die wieder in ihre Energie finden wollen – und irgendwann auch wieder schwanger werden möchten“ – das ist eine Nische.
Merkst du den Unterschied? Das zweite trifft. Es erzeugt sofort ein Bild. Die Person, die das liest und sich angesprochen fühlt, denkt: Die meint mich. Und sie kann dich finden – weil du jetzt weißt, welche Suchbegriffe sie tatsächlich eingibt. Weil dein gesamter Content auf genau diese Person ausgerichtet ist. Je spezifischer du bist, desto kleiner die Konkurrenz – und desto höher die Sichtbarkeit.
Nerd Alert: Unser Unterbewusstsein verarbeitet schätzungsweise 11 Millionen Informationseinheiten pro Sekunde. Das Bewusstsein? Gerade mal 40 bis 50. Die Filterung ist brutal – und völlig unbestechlich. „Noch ein Health Coach“ schafft den Filter nicht – selbst wenn du die Richtige bist. Aber eine Überschrift, die genau dieses Problem benennt, stoppt den Scroll. Und dann findet sie dich.
Deine Key Takeaways
- 42 % aller Startups scheitern an fehlendem Marktbedarf – eine klare Nische ist dein direkter Schutz davor.
- Dein Gehirn arbeitet effizienter, wenn es nicht permanent zwischen Zielgruppen wechselt. Nische = weniger Energieverlust.
- Gefunden werden heißt spezifisch sein – so dass sich die Richtige sofort angesprochen fühlt, noch bevor sie dich kennt.
Warte nicht, bis alles andere steht. Die Nische ist nicht die Krönung – sie ist das Fundament.
Wenn du beim Lesen gerade gemerkt hast, dass du dich irgendwo wiedererkennst – dann ist das genau dein Startpunkt. Dafür habe ich eine kurze Checkliste entwickelt. 10 Fragen, die dich durch den Prozess führen und dir helfen, deinen Nischen-Sweet-Spot zu finden. Kein überwältigender Kurs. Einfach ein strukturierter Denkanstoß, der dich vom Kreisdrehen in die Klarheit bringt.
Immer weiter.

Häufige Fragen zum Thema Coaching-Nische finden
Warum ist eine Nische für Coaches so wichtig?
Ohne klar definierte Nische spricht dein Marketing niemanden wirklich an – du passierst den unbewussten Filter deiner Wunschklientinnen nicht. Eine Nische macht dich sichtbar, unterscheidbar und auffindbar für genau die Menschen, denen du am besten helfen kannst.
Wann ist eine Coaching-Nische zu eng?
Meistens gar nicht. Was sich wie „zu eng“ anfühlt, ist in den meisten Fällen eine Schutzreaktion – die Angst, sichtbar zu werden und sich festzulegen. Eine Nische ist dann wirklich zu eng, wenn sie kein real existierendes Problem löst oder die Zielgruppe schlicht nicht groß genug ist. Das lässt sich testen – aber zuerst muss man anfangen.
Kann ich meine Coaching-Nische später noch ändern?
Ja. Und das ist keine Niederlage – das ist Entwicklung. Viele Coaches passen ihre Nische an, nachdem sie erste Erfahrungen mit echten Klientinnen gemacht haben. Wichtig ist: fang mit der Nische an, für die du heute am besten aufgestellt bist. Justieren ist immer eine Option. Nicht anfangen nicht.
