Hochwertiges Messer auf Holzbrett – echtes Handwerk statt Abkürzungen

Die Positionierungsfalle: Warum kein Template dir die Arbeit abnehmen kann

Wie Abkürzungen deinem Business das Wichtigste nehmen können – dein authentisches Selbst! Und was das für dich bei deiner Positionierung bedeutet.


„Das brauchst du!“

Meine Freundin stellte mir eine eckige Box auf den Tisch. Dann begann sie, das Ding auseinanderzunehmen und mir die einzelnen Teile zu zeigen – mit wachsender Begeisterung, wohlgemerkt.

Das große Finale: ein Gerät zum Gemüseschneiden. Ich kam mir kurz vor, als würde ich in Münchens Fußgängerzone an irgendeinem Promotion-Stand stehen, nur dass diesmal niemand mit Headset neben mir stand.

Ein paar Tage vorher hatte ich ein Thai-Curry nicht gemacht, weil mir die Zeit fehlte und ich schlicht keine Lust hatte, noch ewig Gemüse zu würfeln. Also: Enter the Tool. Für 49,95 sollte mein Leben plötzlich leichter werden. Fünf verschiedene Einsätze, mehrere Schnittformen, für jeden Wunsch die passende Lösung.

Und dann kam die Ernüchterung. Die Würfel waren zu klein. Ich musste das Gemüse trotzdem vorschneiden. Das Putzen dauerte dreißig Minuten. Ich schickte das Teil am nächsten Tag zurück und ging wieder zu dem zurück, was für mich funktioniert: Holzbrett, scharfe Messer, ein vernünftiger Hobel. 15 Jahre später bin ich damit immer noch zufrieden.

Ich wollte eine Abkürzung nehmen – und bin damit ziemlich zuverlässig in die falsche Richtung gelaufen. Und vermutlich ahnst du, worauf ich hinauswill.

Die kurze Antwort: Eine Positionierungs-Vorlage für Coaches kann dir Struktur geben – aber nicht die Denkarbeit, die davor kommt. Wer das verwechselt, läuft in eine sehr elegante Sackgasse.

Christiane Mohr
Wer schreibt hier?Christiane Mohr

Diplom-Kauffrau mit Schwerpunkt Marketing – und bekennender Nerd. Ich liebe Daten, misstraue Buzzwords und überprüfe Aussagen lieber zweimal, bevor ich sie weitergebe. Hier schreibt jemand, der Coaches & Heilpraktikerinnen dabei begleitet, ihr Business so aufzustellen, dass die richtigen Klientinnen sie finden – ohne Schönreden.


Was Templates können – und was nicht

Wenn deine Positionierung unscharf ist, wirken Tools und Templates erst einmal wie eine Erlösung. Du musst nicht bei null anfangen, bekommst eine Struktur, musst „nur noch“ ein paar Felder ausfüllen und hoffst, dass sich der Knoten damit löst. Gerade wenn du dich innerlich schon lange im Kreis drehst, klingt das verständlicherweise attraktiv.

Das Problem ist nur: Ein Template kann dir die Denkarbeit nicht abnehmen, die davor kommt. Es kann dir Fragen stellen, Kategorien anbieten, Beispiele liefern. Es kann sogar den Eindruck erzeugen, dass du jetzt auf einer professionellen Schiene unterwegs bist. Aber es kann nicht für dich herausarbeiten, worin deine eigentliche Substanz liegt – welche Menschen du anziehen möchtest, und was genau dich unterscheidbar macht.

Und genau dort beginnt die Positionierungsfalle. Viele Coaches laden sich eine Vorlage herunter, füllen sie gewissenhaft aus – und haben danach trotzdem das nagende Gefühl: Das stimmt irgendwie noch nicht. Nicht falsch-falsch. Aber auch nicht richtig. Nicht unprofessionell. Aber eben auch nicht wirklich stimmig.

Das ist kein persönliches Versagen. Das ist die Grenze des Werkzeugs.


Warum dein „Warum du“ nicht ausgelagert werden kann

Es gibt Dinge, die lassen sich sehr gut standardisieren: ein Prozess, eine Reihenfolge, ein Gerüst. Deshalb habe ich überhaupt nichts gegen gute Werkzeuge. Im Gegenteil – ohne Werkzeuge kein Handwerk. Aber genau an dieser Stelle wird es heikel: Viele verwechseln Struktur mit Substanz.

Struktur hilft dir, etwas zu ordnen. Substanz ist das, was überhaupt erst geordnet werden kann.

Wenn du noch nicht klar hast, wer deine Wunschkundin ist, welches Problem sie wirklich als Problem erlebt und warum deine Art zu arbeiten für genau sie relevant ist – dann wird dir auch das beste Template diese Arbeit nicht abnehmen. Es kann höchstens dafür sorgen, dass die Unklarheit etwas aufgeräumter aussieht.

Und ja, das ist manchmal der frustrierendste Teil. Weil eine Vorlage so angenehm konkret wirkt – mit Kästchen und Feldern und Reihenfolge – während die eigentliche Positionierungsarbeit sich oft viel weniger ordentlich anfühlt. Sie ist tastender. Ehrlicher. Manchmal auch unangenehmer. Denn du musst entscheiden. Nicht nur, was du theoretisch alles könntest. Sondern was du nach außen wirklich zuerst verständlich machen willst.


Der Unterschied zwischen Positionierungs-Handwerk und Positionierungs-Substanz

Positionierungs-Handwerk ist wichtig: wie du etwas strukturierst, welche Reihenfolge Sinn ergibt, wie du Aussagen sortierst, wie du ein Freebie aufbaust, wie du Inhalte lesbar und klar formulierst. All das macht einen riesigen Unterschied.

Aber Positionierungs-Substanz ist etwas anderes. Sie liegt in der Frage, was bei dir überhaupt da ist. Wofür du stehst. Wie du denkst. Welche Sprache zu dir passt – und welche nicht. Und auch darin, was du bewusst nicht mitmachst, obwohl es im Markt gerade vielleicht gut funktioniert.

Wenn diese Substanz nicht klar ist, führt ein Tool oft eher in die Irre. Dann sieht das Ergebnis auf den ersten Blick sauber aus, fühlt sich aber innen hohl an. Es liest sich ordentlich, klingt aber austauschbar. Das ist übrigens genau der Punkt, an dem viele Coaches anfangen, an sich selbst zu zweifeln. Sie haben eine Vorlage benutzt, ernsthaft ausgefüllt, vielleicht sogar mehrfach. Und trotzdem landet am Ende etwas auf dem Bildschirm, das aussieht wie Positionierung, sich aber nicht wie die eigene anfühlt.

Was da fehlt, ist nicht noch ein besseres Template. Was fehlt, ist der Teil, den kein Tool für dich beantworten kann.


Was wirklich hinter einer starken Positionierung steckt

Eine starke Positionierung entsteht nicht dadurch, dass du die richtigen Kästchen ausfüllst. Sie entsteht dort, wo Klarheit und Passung zusammenkommen – wo du nicht nur weißt, was du tust, sondern auch, wie du darüber sprechen willst. Und zwar so, dass Menschen schnell verstehen, ob du für sie relevant bist.

Das wirkt von außen manchmal erstaunlich unspektakulär. Da steht dann nicht plötzlich die eine Zauberformel im Raum. Sondern eher ein sauberer Prozess, in dem sich Stück für Stück herausschält, was trägt und was nur gut gemeint war. Was nach dir klingt. Was man sofort versteht.

Genau deshalb führt der schnelle Griff zu einer Positionierungs-Vorlage so oft ins Leere. Nicht, weil Vorlagen grundsätzlich schlecht wären. Sondern weil sie zu früh eingesetzt werden. Sie setzen voraus, dass die grundlegende Arbeit bereits passiert ist. Wenn das nicht der Fall ist, entsteht etwas, das bestenfalls halb passt – und halb passend ist für ein personenzentriertes Business oft einfach zu wenig.


Der richtige Einsatz von Tools – als Struktur, nicht als Ersatz

Ich sage das bewusst so klar, weil ich selbst mit Tools arbeite. Viel sogar. Nicht aus Technikverliebtheit, sondern weil gute Werkzeuge enorme Entlastung bringen können. Aber eben nur dann, wenn sie an der richtigen Stelle eingesetzt werden.

Ein gutes Tool ersetzt nicht dein Denken. Es unterstützt es. Dasselbe gilt für meinen eigenen Nischen-Kompass: Er nimmt dir die Arbeit nicht ab. Er soll sie nicht ersetzen. Er strukturiert sie – hilft dir, die richtigen Fragen in der richtigen Reihenfolge zu stellen, damit du dich nicht in zwanzig Schleifen gleichzeitig verlierst. Aber die Antworten müssen trotzdem von dir kommen.

Die Positionierungsfalle besteht nicht darin, dass jemand ein Tool benutzt. Die Falle besteht darin, zu hoffen, dass das Tool die eigentliche Klärung übernimmt. Tut es nicht. Kann es auch gar nicht.

Wenn du hingegen weißt, was du brauchst, dann können Werkzeuge enorm hilfreich sein. So wie ich am Ende nicht das Wundergerät brauchte, sondern ein paar gute, einfache Werkzeuge, die für mich funktionieren. Das war nicht spektakulär. Aber nachhaltig. Und genau das ist oft ein ziemlich guter Maßstab.

Wenn du an genau diesem Punkt hängst: erst Klarheit, dann Struktur. Erst Substanz, dann Werkzeug. Nicht andersherum. Den Einstieg dazu findest du im Artikel Coaching-Nische finden. Wenn du eher mit der Frage ringst, wie spitz du wirklich werden musst, passt Wie spezialisiert musst du als Coachin wirklich sein? gut dazu. Und die häufigsten Fallen auf dem Weg dorthin beschreibt Artikel 4 über Positionierungsfehler.


Wenn du beim Lesen gerade gemerkt hast, dass du dich irgendwo wiedererkennst – dann ist das genau dein Startpunkt. Dafür habe ich eine kurze Checkliste entwickelt. 10 Fragen, die dich durch den Prozess führen und dir helfen, deinen Nischen-Sweet-Spot zu finden. Kein überwältigender Kurs. Einfach ein strukturierter Denkanstoß, der dich vom Kreisdrehen in die Klarheit bringt.

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Key Takeaways

Struktur ≠ Substanz
Eine Vorlage kann ordnen, was bereits da ist. Sie kann nicht ersetzen, was noch nicht geklärt ist.

Die Falle ist nicht das Tool – sondern die Erwartung daran
Templates funktionieren dann, wenn die eigentliche Positionierungsarbeit bereits passiert ist. Nicht davor.

Erst Klarheit, dann Werkzeug
Wer diese Reihenfolge umdreht, bekommt am Ende etwas, das ordentlich aussieht – aber nicht wirklich passt.


Immer weiter.

Unterschrift Christiane Mohr

P.S. Falls du gerade ein halbfertiges Template auf deinem Desktop liegen hast und dich leicht ertappt fühlst: Das ist kein Grund für dramatische Selbstvorwürfe. Es heißt nur, dass du wahrscheinlich nicht noch ein neues Tool brauchst – sondern zuerst mehr Klarheit darüber, was du eigentlich damit bauen willst.


FAQ

Sind Positionierungs-Vorlagen für Coaches grundsätzlich schlecht?

Nein. Sie können sehr hilfreich sein, wenn bereits genug Klarheit vorhanden ist. Problematisch werden sie dann, wenn sie die eigentliche Positionierungsarbeit ersetzen sollen.

Wie entwickle ich eine authentische Positionierung als Coachin?

Indem du zuerst klärst, für wen du arbeitest, welches konkrete Problem du löst und wie deine eigene Perspektive darauf aussieht. Erst auf dieser Basis werden Tools und Vorlagen wirklich nützlich.

Brauche ich überhaupt eine Positionierungs-Vorlage?

Nicht zwingend. Eine Vorlage kann dir Struktur geben – aber sie ist kein Ersatz für die Substanzarbeit. Entscheidend ist nicht, ob du ein Tool nutzt, sondern ob es zu deinem Prozess passt.

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